Urlaub in Tignale . Zitronengewächshäuser

Zitronengewächshäuser Tignale gardasee Italy
DIE Zitronengewächshäuser AM GARDASEE W as sind denn das für hohe Pfeiler, die stolz gen Himmel ragen, in einer schnurgeraden Reihe angeordnet und von weißen Steinmauern umgeben sind? Der Gardasee bietet dem Besucher insbesondere an der Westküste entlang, zwischen Limone und Salò, zahlreiche Beispiele dieser bemerkenswerten Architekturwerke, die man sonst nirgendwo sieht, die hier aber greifbare Zeugen einer vergangenen Epoche und Kultur sind. Es handelt sich hierbei um die Überreste der sogenannten Limonaie, dieser Gewächshäuser für Zitronen, die bereits Goethe vor zwei Jahrhunderten beeindruckten: “Wir fuhren bei Limone vorbei, dessen Berggärten, terrassenweise angelegt und mit Zitronenbäumen bepflanzt, ein r eiches und reinliches Ansehn geben”. ( Italienische Reise , 13. September 1986). Der Ursprung dieser Zitronengewächshäuser, die so poetisch “Ziergärten” genannt worden waren, geht auf das 13. Jahrhundert zurück, als der Anbau der Zitrusfrüchte am Gardasee eingeführt wurde. So entstanden diese charakteristischen Riesengewächshäuser, die den Zweck hatten, die kostbaren Zitruskulturen vor etwaigen harten Wintern zu schützen. Damit wurden die Küstenbewohner, die bis dahin zähe Landwirte, Schiffer oder Fischer gewesen waren, zu Gärtnern. Dies kam der gesamten Wirtschaft zugute, denn die reiche und qualitativ hochwertige Produktion war fast ausschließlich für den Export in mitteleuropäische Länder und nach Russland bestimmt und erwies sich als außerordentlich gewinnträchtig. Der Schweiß harter Arbeit und die eingehende Erfahrung rundeten das Ergebnis dieser Anlagen, die zunehmend rationeller wurden, ab. Der Gardasee wurde somit zum nördlichsten Zitronenanbaugebiet überhaupt. Die Vereinigung Italiens, die damit verbundene Abschaffung der Zollgebühren, der Ausbau des V erkehrsnetzes und die sogenannte “Gummi-Krankheit”, welche den Zitronenbäumen großen Schaden zufügte, führten jedoch zur langsamen, aber unaufhaltsamen Verkümmerung dieser landwirtschaftlichen Tätigkeit. Heute sind noch die außergewöhnlichen Mauerwerke übrig, Zeugen einer blühenden Wirtschaftsepoche am Gardasee. Doch wird mit großem Einsatz versucht, diese Schätze zu erhalten und sie wieder nutzbar zu machen, um eine historische, kulturelle und tief im Volke verwurzelte Tradition aufrecht zu erhalten.
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